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Meine erste große Wanderung - Seite 1
( auf dem Rheinsteig von Koblenz nach Braubach )

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Das war vielleicht aufregend, kann ich Dir sagen. Und das Beste daran war, dass ich Frauchen und Herrchen, also meine Zweibeiner eine ganze Woche nur für mich allein hatte.
 
Aber ich will alles der Reihe nach erzählen:
 
Es fing für mich eigentlich ganz unauffällig an. Sicher, ich merkte schon, dass da irgendetwas anders gewesen ist.
Eines schönen Tages setzten sie mich ins Auto. Ich wunderte mich schon, dass die Fahrt gar kein Ende nehmen wollte. Zwischendurch gab es immer mal wieder eine kurze Rast. Die Landschaft um mich herum hatte sich auch verändert. Und so döste ich lange Zeit vor mich hin, bis wir offensichtlich angekommen waren.
 
Das Haus, vor welchem meine Zweibeiner das Auto parkten, hatte einen eigenen Namen, nicht nur irgendeine Nummer. "Hotel Krämer" stand am Eingang. Drinnen begrüßte uns ein netter Herr. Dann steuerten meine Zweibeiner mit ihrem Gepäck so einen kleinen Raum an, bei dem sich die Türen automatisch öffneten und schlossen. Dieser Raum war mir nicht geheuer und ich wollte partou nicht hineingehen; half mir aber nichts, weil mich mein Herrchen einfach auf den Arm nahm - und schon war ich drin. Meine Zweibeiner, das ganze Gepäck und ich - es war ganz schön eng. Dann aber, es war ganz komisch, bewegte sich plötzlich der ganze Raum. Es war mir unheimlich. Meinen Zweibeinern schien es nichts auszumachen und so tat ich ganz cool und interessiert. Glücklicherweise dauerte der ganze Spuck nur kurze Zeit, dann war alles ruhig und die Türen gingen auf. Hoppla, was war das? Draußen auf dem Flur sah es ganz anders aus als noch eben. Wer soll das verstehen. Das ist selbst für einen Pudel zu hoch.
 
Wir gingen den Gang entlang und in eines der Zimmer. Auch hier war alles zwar sch÷n eingerichtet, aber für mich doch recht fremd und roch völlig unbekannt, wenn auch nicht unangenehm. Ich war meinem Herrchen dankbar, weil er sogleich mein Hundehäuschen aufbaute, in welchem ich bereits die letzten Wochen vor dieser Wanderung immer geschlafen hatte.
 
 
Dorthinein konnte ich mich vor den vielen unbekannten Eindrücken zurückziehen und so richtig wohl fŘhlen. Nach der langen Fahrt war ich auch rechtschaffen müde.
 
 
Am nächsten Tag begann die große Wanderung entlang des Rheines nach Rüdesheim, vorbei an vielen, vielen Burgen. Unser erstes Tagesziel auf dem langen, beschwerlichen Weg (er nennt sich Rheinsteig) war Braubach, einem Bild nach, eine kleine Gemeinde mit mittelalterlichem Charme am Fu▀e so einer Burg, der "Marksburg".
 
 
Noch aber trennten uns von diesem Ziel gut 20 km. Vom Quartier der letzten Nacht tippelte ich mit meinen Zweibeinern im Schlepp durch die Stra▀en einer alten Stadt. Ich glaube, sie nannten diese Stadt "Koblenz". Dann kam ein großer Fluß. Während Frauchen sich orientierte, wo es an diesem Tag hingehen sollte, interessierte mich viel mehr die kleine Pudeldame auf der anderen Straßenseite, die so verschmitzt zu mir herübergeschaut hatte. Aber, wie Du siehst, meinem Frauchen war diese süße Pudeldame völlig "Wurscht" - und ich hing an der Leine.
 
 
Dort hing ich auch noch, als wir Drei - mein Herrchen war natürlich auch dabei und hat das Ganze dokumentiert - einige Zeit später von der lauten Hauptstraße in ein stilles, kühles Bienenhorntal abbogen.
 
... und bevor Du fragst:
 
        Nein, nicht mit dem Auto!
 
Ich mußte die ganze Zeit laufen, mit meinen kleinen Füßen! Wo die Zweibeiner einen Schritt machten, mußte ich mindestens 6 Schritte machen. Als dann aber ein Baum quer über dem Weg lag, hatte ausnahmsweise einmal ich einen Vorteil. Während nńmlich die Zweibeiner mit ihrem Gepäck darüber klettern mußten, konnte ich einfach darunter durchschlüpfen.
 
   
 
Der Weg führte lange Zeit immer bergauf und es war ganz schön warm unter meinem Fell. War auch kein Wunder bei 26░C im Schatten. Da war es meinen Zweibeinern hoch anzuerkennen, dass sie trotz ihres Gepäcks auch an mich gedacht haben und reichlich zu Trinken in einem Behälter mitführten, der nur für mich war. So konnte ich unterwegs wie aus einer Schale trinken.
 
 
Schließlich waren wir oben angelangt. Wie sich später herausstellte, immer nur für kurze Zeit. Jeder kleine Bach, der dem Rhein zufließt, hat sich ein Tal gegraben, in welches wir hinabsteigen und auf der anderen Seite wieder hinaufsteigen mußten. Oben aber wurden wir durch eine herrliche Fernsicht belohnt ... an den späteren Tagen jedenfalls, als das Wetter noch besser wurde. Heute aber war es noch recht nebelig und ich konnte gerade mal den Rhein erkennen. War aber trotzdem ein schönes Gefühl.
 
 
Dann ging es hinab. Mein Herrchen sagte, das wir bald zur Lahn kommen, was auch immer er damit gemeint haben mag. Der Weg war teilweise so steil und rutschig, daß für die Zweibeiner ein Halteseil entlang des Weges gespannt war. Für mich war der Weg allerdings ein Klacks. Schließlich habe ich ja so eine Art Allrad-Antrieb.
 
   
 
Unten angekommen wurde mir klar, was Herrchen mit "Lahn" gemeint hatte, einen romatischen Fluß mit vielen Booten am Ufer.
 
Nach einer Rast im Schleuserhäuschen ging es wieder steil hinauf, als unterwegs etwas im Unterholz raschelte. Ich machte Frauchen natürlich sofort darauf aufmerksam. Sie meinte aber, das sei wohl ein kleines Mäuschen gewesen und ich solle es gleich wieder vergessen.
 
 
Nachdem wir das Tal der Lahn hinter uns gelassen und auf der Bergeshöhe angekommen waren, stand dort zwar ein großes Hotel, das aber war - wie ich schnell merkte - noch nicht unser Tagesziel. Die Zweibeiner gingen einfach daran vorbei und den Berg auf der anderen Seite wieder hinab. Die Leine nahm mir auch hier wieder jede Entscheidungsmöglichkeit.
 
Unten am nächsten Bach angekommen, zeigte sich ein idyllisches Tal und ich meinem Frauchen, daß ich auf ihr Wasser nicht unbedingt angewiesen bin. Von Zeit zu Zeit kann ich auch "auf eigenen Beinen stehen".
 
 
Von diesem hübschen Tal war es dann auch nicht mehr sehr weit bis nach Braubach, unserem Tagesziel.
 
Ich war gespannt, was mich dort erwarten wird. Schließlich hatten meine Zweibeiner (neben ihren Koffern auch) mein Hundehäuschen (absichtlich?) vergessen mitzunehmen. Verstehen konnte ich das. Es hätte sicher nicht nur einen komischen Eindruck gemacht, wenn sie auf den schmalen, steinigen und steilen Pfaden zu ihrem Rucksack auch noch die großen Koffer geschleppt hätten, es wäre mitunter auch recht gefährlich gewesen. Aber: Wo sollte ich denn nun schlafen?
 
Du wirst meine Überraschung verstehen, als mich in dem rustikal eingerichteten Hotel "Zum Weissen Schwanen" neben einer freundlichen Begrüßung eine ... ich traute meinen Augen kaum: Dort stand nämlich, wie von Geisterhand hingezaubert, mein Häuschen (... und auch die beiden Koffer meiner Zweibeiner). - Diese Freude entschädigte mich für den langen Marsch. Und einen Hunger hatte ich...
 
 
Danach bin ich wohl bald eingeschlafen. Meine Zweibeiner paßten ja auf mich auf.
 


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